Game Over

Die Menschen in Deutschland sind in Summe so reich wie nie: Auf insgesamt 6,3 Billionen Euro beläuft sich das Geldvermögen mittlerweile. Investmentfonds liegen mit einem Anteil von rund 10 Prozent weit abgeschlagen hinter Bargeld und Sichteinlagen (27 %) , Guthaben bei Versicherungen (36 %) oder festverzinslichen Wertpapieren (13 %). Auch Direktinvestments in Aktien kratzen an der 10 Prozent-Marke. Laut Deutschem Aktienistitut gab es 2019 in Deutschland rund 9,7 Millionen Menschen, die Aktien oder Aktienfonds besaßen. Im Vergleich zum Vorjahr kehrten damit knapp 660.000 Anleger der Börse den Rücken. Lediglich 15,2 Prozent oder knapp jeder siebte Bundesbürger, der älter als 14 Jahre ist, besitzt demnach Aktien oder Aktienfonds. Ob diese Zahlen nach Corona und Wirecard noch die gleichen sind, bleibt abzuwarten. Bereits im Jahr 2003 bezeichnete der Journalist Marcus Rohwetter diesen Zustand in seinem Buch als “Das große Unvermögen” oder Warum wir beim Reichwerden immer wieder scheitern. Gründe mag das viele haben:

#01
Kunden sind planlos

Kaum ein Kunde kommt selbständig auf die Idee sich einen Investmentfonds oder Aktien zu kaufen. Das Wissen über Geld und Kapitalmarkt steckt rund 421 Jahre nach Erfindung der Aktie noch immer in den Kinderschuhen. Hinzu kommt, dass sich der Mensch an sich ungern mit Geldanlage beschäftigt, aus Angst Fehler zu machen. Fehlende Zinsen und Kaufkraftverlust werden seit Jahren hingenommen, denn sie bereiten ja keine Schmerzen.

#02
Finanzberater haben Ihre Hausaufgaben nicht gemacht

Geht man in Summe von rund 200.000 Finanzberatern in Deutschland aus, so haben wir pro 1.000 Einwohner 2,4 Berater. Eigentlich genügend, um den Sparer zum Investor auszubilden. Zum Vergleich liegt die Arztdichte aktuell bei rund 4,8 pro ebenfalls 1.000 Einwohner und damit gerade einmal doppelt so hoch. Lediglich 37.940 Vermittler besitzen eine Zulassung zur Investmentberatung. Leben können von diesem Geschäft ausschließlich weniger als 1.000 Vermittler bundesweit. Für den Rest ist Fondsgeschäft bis heute ein Fremdwort. Sie verdienen sich Ihr Geld mit dem Verkauf provisionsträchtiger Produkte aus der Versicherungsecke. Besitzstandswahrer im Fondsgeschäft mit einem Bestand unter 10 Millionen werden in Kürze vom Markt verschwinden.

#03
Fondsgesellschaften fischen im trüben Wasser

Fondsgesellschaften fischen mit manchmal großen, manchmal kleineren Marketingbudgets und Sales-Teams im trüben Wasser nach dem richtigen Vertriebskanal. In einer Umfrage von Drescher & Cie aus dem Februar 2016 wurde der IFA-Markt mit einem Anteil von 14 % in Bezug auf die Assets under Management beziffert. Die Prognose für 2021 lag bei der damaligen Umfrage bei nur noch 10,9 %. Bis heute werden trotzdem Millionen an Budgets für Roadshows, attraktive IFA-Tranchen mit Kick-Backs, Marketingmaterial und Werbung ausgegeben – nach dem Gießkannenprinzip. Dabei schaffen es doch nur ganz wenige Fonds, überhaupt ein Volumen von mehr als 100 Millionen einzusammeln, vermutlich mit Hilfe ganz weniger Vermittler. Weniger ist manchmal vielleicht mehr und genauer hinschauen wäre ratsam. Der Markt verändert sich – auch für Produktgeber!

#04
Banken und Plattformen sind zwischen Fisch und Fleisch

Im Jahr 2019 gab es in Deutschland laut Statista rund 23,64 Millionen Wertpapierdepots. Während die Comdirect zum Beispiel in 2019 allein in einem Quartal fast 90.000 neue Depots eröffnete, befinden sich Vermittler im Dornröschenschlaf, obwohl sie es doch viel leichter hätten für den Nachbar ein Depot zu eröffnen. Geschäftsmodell verändern sich. Aus B2B wird oder wurde bereit B2C. Dies betrifft wohl nicht nur Banken und Fondsplattformen, sondern vielleicht auch den ein oder anderen Maklerpool. Wer soll denn sonst die ganzen Depots betreuen, wenn sich bei drohender Bafin-Aufsicht ein Großteil der Vermittler vom Markt verabschiedet? Ob und wie die Geschäftsmodelle einzelner hinter den Kulissen heute schon aussehen, bleibt offen. Bewegung ist jedenfalls auch hier am Markt – siehe die kürzlich bekanntgegebene Übernahme der Augsburger Aktienbank durch die ebase.

Ein “immer weiter so wird es nicht mehr geben.” Der Schnellzug der Veränderung ist nicht in der Anfahrt, sondern an den meisten schon vorbei.

Wenn Sie dieser Beitrag interessiert und Sie in den kommenden Wochen und Monaten mehr erfahren wollen, so tragen Sie sich jetzt in meinen Newsletter ein – vorausgesetzt Sie sind hart im Nehmen, lieben die Provokation und bereit für Veränderung.

Ich freue mich auf Sie!

#zukunftgestalten

Martin Eberhard

Provokation, Sales, Stories – auf den Punkt und ohne Komma

Newsletter für Investmentprofis und die, die es noch werden wollen